Mittwoch, 29. September 2010

Geocaching Gedankenaustausch - Nachlese



Es gab ja bereits ein wenig mediales Echo auf die letzte Woche stattgefundene Veranstlatung im Microsoft Innovation Center in Wien. Trotzdem möchte ich einen Rückblick aus Reviewersicht über diese Diskussionsveranstaltung geben:

Vorausgeschickt, dass es sich um eine Premiere gehandelt hat, bei der Teile der geocachenden Community auf Teile der Mugglewelt getroffen sind, wundert es kaum, dass sich eine vielschichtige Diskussion ergeben hat die sich nicht nur um das eigentliche Thema der Veranstaltung gedreht hat. Es war aber trotzdem sehr erfreulich einmal auch Vertreter der Wirtschaft als auch Geocacher "an einen Tisch" zu setzen und zu beobachten was passiert. An dieser Stelle gilt mein Dank all jenen, die nicht nur an der Veranstaltung teilgenommen, sondern auch durch ihre Fragen die Diskussion angeregt haben.

Die eigentliche Frage ob Geocaching auch eine kommerzielle Seite hat, ist schnell beantwortet: Ja. Und das nicht erst seit wenigen Monaten sondern spätestens schon seit dem es die weltgrößte Geocaching Datenbank gibt. Der Anschein, dass es sich bei Geocaching um ein Hobby handelt, dass ohne jegliche Begleitkosten möglich ist, ist schlichtweg falsch. Von daher gab es schon seit den Anfängen des beliebten Spiels einen kommerziellen Hintergedanken bei der Sache. Unternehmen wie Garmin oder Groundspeak ist schon seit vielen Jahren bewußt, dass Geocacher Geld ausgeben und bieten daher auch entsprechende Produkte und Dienstleistungen am Markt an. Wer hätte sich vor fünf Jahren noch gedacht, dass es GPS-Geräte geben wird, auf denen man die Cachebeschreibung und eingies mehr mitnhemen kann indem man einfach eine Pocket Query auf das GPS-Gerät ladet? Dass diesem wirtschaftlich erfolgreichem Projekt viele andere folgen wollen liegt auf der Hand. Aus meiner Sicht ist dies sogar ein wichtiger Mitgrund, warum Geocaching derart boomt. So etwas passiert nicht zufällig in dieser Intensivität sondern ist von den handelnden Akteuren augenscheinlich so gewollt und wird daher auch gefördert. Es geht und ging daher auch nie darum Geocaching möglichst geheim zu halten. Bestenfalls und wirklich nur bestenfalls kann man diese Entwicklung begleiten. Verhindern wird man sie nicht können.

Dies hat sich auch daran gezeigt, dass das Interesse der Wirtschaft an Geocaching ebenso stark wächst wie das Spiel selbst. Vom Tourismusverteter, Herrn Gstettner, wurde daher auch betont, dass es nicht ausreicht irgend eine Marketing-Idee umzusetzen, um von Geocaching auch wirtschaftlich profitieren zu können. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass derartige Aktionen kaum sinnvoll und nur wenig zielführend sind. Eine entpsrechende Sensibilität im Umgang mit der Geocaching Community ist das um und auf, will man sich mit diesem Spiel beschäftigen und es auch kommerziell nuzen. Mit Sensibilität ist gemeint, dass Marketingkonzepte, die auf ein reines Ausnutzen des Spiel abzielen um ein Produkt oder eine Dienstleistung zu bewerben nicht von Erfolg gesegnet sein werden. Viel mehr eine Einbindung der Geocaching Community führt zum Ziel. Erst wenn dieser Community auch etwas geboten wird, wird es wirklich für alle Seiten interessant.

Ein gutes Beispiel dafür ist Cacheye. Ein Mappingtool, dass vom Österreichischen Softwareunternehmen IQSoft für Geocacher erschaffen und bei der Veranstaltung auch vorgestellt wurde. Das Ding kostet den Geocacher nichts; bringt ihm einen wesentlichen Nutzen den es sonst nicht gäbe und gibt dem Softwareunternehmen die Möglichkeit auf eine mittlerweile nicht unwesentliche Referenz verweisen zu können um auch selbst einen Vorteil aus diesem Mapping Tool zu haben. Imerhin kann dieses Tool nach fast 2 Jahren Lebensdauer mehr als 2.500 Benutzer vorweisen. Ergo dürfte das Tool auch in der Geocaching Community entpsrechend Gefallen finden. Der daraus generierte Mehrwert für das Softwareunternehmen ist nicht zu unterschätzen. Gute Referenzen in Zeiten der wirtschaftlichen Krisen können Gold wert sein. Ein klassisches Beispiel also für eine Win.-Win-Situation und für einen sensiblen Umgang mit der Community. Höchstwahrscheinlich liegt dieser Erfolg auch darin begründet, dass die Oberhirten von IQSoft auch selber Geocacher sind. Womit wir bei einem nächsten wesentlichen Punkt angelangt sind. 

Wirklich erfolgreich kann man nur sein, wenn man die Community kennt. Diese lernt man am besten kennen, indem man ein Teil von ihr wird. Erst dann wird offensichtlich, was Geocacher wollen und erst dann kann man diese Community in eine Marketingstrategie erfolgreich einbinden.






Der weitere Verlauf der Diskussion ging dann eher in die Richtung Befindlichekiten aus der Community, wo die altbekannten Themen schwindende Qualität von Caches (und Cachern), rechtliche Problematiken, die fehlende Struktur der Community sowie Reibungspunkte mit der Mugglewelt (Stichwort Jägerschaft) behandelt wurden. Die Diskussion war natürlich nicht sofort zu Ende sondern hat sich auch im gemütlichen Rahmen bei ein paar Erfrischungen weiter entwickelt. Dabei hat sich auch herausgestellt, dass es noch eingie Themen gibt, die es wert sind auch in der Öffentlichkeit diskutiert zu werden. Die bereits angesprochene Jägerschaft ist nur ein Teil der Gesellschaft, der mit Geocaching konfrontiert wird und nicht immer das beste Bild von diesem Hobby hat. Aufholbedarf in Sachen Dialog gibt es also mehr als genug. So wie es aussieht, wird es daher auch weitere derartige Diskussionsveranstaltungen geben - was mich grundsätzlich freut.

v.l.n.r.: Dr. Gerhard Laga (WKÖ, Leiter des E-Centers), Gerhard Gstettner (Ötztal Toursimus), Roman Temper (Reviewer der Groundspeak-Plattfom geocaching.com), Johannes Brimmer (IQSoft), Michael Schellnegger (Garmin Austria)
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